Leseprobe

Berittene Wächter

Berittene Wächter

»Vorwärts, vorwärts, sage ich! Der Höchstmeisterliche duldet keine Faulenzer! Kommt und haltet eure Augen offen, findet die Verräter und bringt sie zu mir!« Der Geruch von feuchtem Gras und modriger Erde kroch Alexander in die Nase. Schnell öffnete er seine Augen. Die hetzerischen Worte der feindseligen Stimme hatten ihn alarmiert. Bodennebel strich mit nasskalten Händen über seinen Körper und verbarg ihn schützend unter einem dichten Schleier. Lautes Pferdegewieher und wütendes Hufstampfen drang beängstigend durch die weißen Schwaden zu ihm hindurch. »Dreht jeden Grashalm zweimal um! Ihr wisst ja, der Höchstmeisterliche ist kein Freund von Nachlässigkeit!«, befahl die herrische Stimme seinem Gefolge. Alexander duckte sich und legte sein Gesicht auf den mit Moos bedeckten Boden. Er konnte sie spüren, die kräftigen Schritte der Pferde, jedes Mal, wenn sie ihre Hufe mit Wucht in den sandigen Untergrund stießen. Weit waren sie nicht entfernt. Alexander glaubte, sie im vorbeiziehenden Nebel schon riechen zu können. »Hoffentlich finden sie mich nicht«, dachte er, als ihm plötzlich von hinten jemand den Mund zuhielt.

»Ruhig, kein Wort!«, flüsterte eine Stimme. Alexander war wie erstarrt. Der Schrecken fuhr ihm in sämtliche Glieder, als er sah, wie sich nicht weit von ihm entfernt die Silhouetten mehrerer Reiter durch den Nebel schoben. Fünf waren es an der Zahl. Schwerfällig schritten ihre Pferde voran und kamen Alexander in seinem Versteck bedrohlich nahe. Einer nach dem anderen zogen sie an ihm vorüber, bis sie sich schließlich wieder im dichten Nebel verloren. Langsam löste sich die Hand von Alexanders Mund, und er atmete einmal tief durch. Dann wandte er sich eilig um. »Du?« »Pssst, nicht so laut, noch sind sie nicht weit genug entfernt!«, wies Raja ihn zurecht und legte ihren Zeigefinger auf seine Lippen. Regungslos blickten sie einander an. »Danke«, durchbrach Alexander die Stille. Raja lächelte, und für einen kurzen Augenblick erstrahlten ihre Augen in einem Leuchten, das Alexander neu war.

Zu allem Überfluss stolperte gerade in dieser Sekunde jemand über sie hinweg und schlug unsanft neben ihnen auf dem Boden auf. »Ja, was zum trüben Dunst noch eins liegt ihr denn hier herum? Die Knochen hätte ich mir brechen können!«, empörte sich Mattis. »Beruhige dich Mattis, um deine Knochen hättest du dir ernsthaft Sorgen machen müssen, wenn die Reiter dich erwischt hätten«, entgegnete ihm Alexander. 

Nach allem, was die drei in den vergangenen Tagen erlebt hatten, waren sie in diesem Augenblick mehr als glücklich darüber, dass sie noch immer beisammen waren. »Weiß einer von euch, wo wir hier sind?«, fragte Alexander. »Nicht im Geringsten«, antwortete Mattis und rappelte sich hoch. Neugierig blickte er sich um.

…Lust auf mehr?

Lusakata erwartet Dich!

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